Notfallpädagogik

Unter Notfallpädagogik verstehen wir pädagogische Erste Hilfe für Kinder und Jugendliche nach belastenden Ereignissen mit schweren seelischen Verletzungen.

Wie nach einem traumatischen Ereignis geholfen werden kann:

Notfallpädagogische Erste Hilfe für Kinder und Jugendliche

Die Intervention nach traumatischen Ereignissen durchläuft drei spezifische Phasen

Akutintervention

peritraumatische Intervention, erste notfallpsychologische Maßnahmen meist noch an Ort des Geschehens

Psychologische Stabilisierung

Notfallpsychologische, frühe Interventionen innerhalb der ersten vier Wochen

Therapie/Rehabilitation

Traumabearbeitungsphase, Integrationsphase

Notfallpädagogische Erste Hilfe bei besonderen traumatischen Erlebnissen

Kinder stellen als Betroffene traumatischer Extremereignisse eine „besondere Gruppe“ dar, der eine besondere notfallpsychologische und notfallpädagogische Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Die Folgen für die weitere Entwicklung hängen in erster Linie von der Art und Dauer der traumatischen Erfahrung, von Individualmerkmalen des Kindes und vom sozialen Umfeld des Kindes ab, aber auch noch weitere Faktoren, wie z.B. individuelle Bewertungs- und Bewältigungsprozesse, Schutz- und Risikofaktoren bestimmen das Geschehen mit. Je nach Konstellation können durch belastende Erfahrungen traumatischer Art Entwicklungslinien unterbrochen werden und zu einer Stagnation der Persönlichkeitsentwicklung führen.

Vor dem Hintergrund des oben skizzierten Aspekte eines anthroposophisch-anthropologischen Verständnisses der Psychotraumatologie wird in den anthroposophisch orientierten pädagogisch-therapeutischen Interventionen versucht „die ätherischen Kräfte besonders im Stoffwechsel zu stimulieren, sowie die Wiedereingliederung des Ichs im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System zu ermöglichen.

Nachfolgend sollen einige Leitlinien zum pädagogischen Umgang mit Psychotraumata bei Kindern aufgezeigt werden. Sie sind Bestandteil der Stabilisierungsphase, werden aber auch in der Therapiephase begleitend weiter angewendet. Ziel der pädagogischen Intervention ist die Aktivierung der Selbstheilungskräfte zur Verarbeitung der traumatischen Erfahrung:

  • Gefühle zulassen
  • Heilend wirkende freudige Erlebnisse schaffen
  • Erlebnisse und Gefühle verbalisieren
  • Kreative Ausdrucksformen suchen (Schreiben, Malen, Musizieren, Durchführung altersgemäßer Projekte)
  • Rituale und Rhythmen pflegen
  • Auf ausgewogene Ernährung achten
  • Zum Spielen anregen
  • Bewegung fördern (sportliche Betätigung, Eurythmie, Bothmergymnastik, Spaziergänge, Wanderungen)
  • Für Entspannung sorgen (ausreichender Schlaf, Entspannungsgeschichten)
  • Zukunft planen
  • Konzentrationsübungen
  • Selbstwert aufbauen und fördern
  • Religiöse Gefühle pflegen

Begleitende Interventionen anthroposophisch erweiterter Therapieformen

Gerade die spezifischen anthroposophisch orientierten künstlerischen Therapieformen sind in ihrem ganzheitlichen Ansatz durch ihre Wirkung auf die verschiedenen Organisationsebenen des Menschen und deren Zusammenwirken geeignet Psychotraumatisierungen verarbeiten zu helfen.

Nachfolgend sollen einige anthroposophisch erweiterte Therapieformen kurz in ihrer Relevanz für traumaspezifische Interventionen skizziert werden:

  • Rhythmische Einreibungen und Massagen
  • Bäder, Wickel und Auflagen
  • Plastisch-therapeutisches Gestalten
  • Mal- und Zeichentherapie
  • Musiktherapie
  • Therapeutische Sprachgestaltung
  • Heileurythmie

Begleitende Interventionen anthroposophisch erweiterter Medizin

In der anthroposophischen Pharmakotherapie bei Psychotraumata wird nach Möglichkeit versucht, auf den Einsatz von Psychopharmaka nach Möglichkeit zu verzichten. Stattdessen werden homöopathische und anthroposophische Präparate eingesetzt, die die Selbstheilungskräfte des Organismus anregen sollen.