Kinderkrippe

Entscheidende Kinderjahre begleiten

ÜbersichtsbildDie Bedeutung der frühen Kindheitsjahre für die weitere biografische Entwicklung des Menschen sind in Forschung und Praxis hinlänglich bekannt. Sie sind mitentscheidend über körperliche und seelische Gesundheit und Krankheit, über die Entfaltung kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten, über Selbstbild und Selbstwert und über die Haltung zu Mitmensch und Umwelt. Nicht erst seit der Entdeckung der Spiegelneuronen durch die moderne Gehirnforschung wissen wir, wie entscheidend die Vorbildfunktion der kindlichen Bezugspersonen und die kindliche Lebenswelt das Kind prägen und mitbestimmen, in wie fern das Kind sein eigenes, mitgebrachtes Potential entwickeln und zur Entfaltung bringen kann. Kinderjahre können lebensprägend sein.

Die entscheidenden Kinderjahre pädagogisch zu begleiten und den Kindern ein entwicklungsförderndes Lebensumfeld zu bieten, ist das Leitziel der Initiative zur Eröffnung Kindergartens und einer Kinderkrippe im Parzival-Bildungszentrum. Beide Einrichtungen arbeiten integrativ und ganztägig.

Leitbild: im Mittelpunkt steht das Kind und seine Entwicklung.

Der Kindergarten und die Kinderkrippe sollen auf der Grundlage der Waldorfpädagogik arbeiten: Das Kind wird dabei als physisches, seelisches und geistiges Wesen anerkannt und unterstützt, seine unverwechselbare Persönlichkeit nach seinen individuellen Möglichkeiten zu entwickeln und auszubilden. Es wird bewusst eine beschützte Umgebung gestaltet, damit sich Kinder frei nach ihren eigenen Entwicklungsgesetzen entfalten können. Dabei ist es wichtig, einen fördernden Lebensraum zu schaffen, in dem die Kinder alltägliche Handlungen wahrnehmen, verinnerlichen und nachvollziehen können. Es soll den Kindern auch ermöglicht werden, den Jahreslauf der Natur aktiv zu erleben. Zu den Leitlinien der pädagogischen Arbeit gehören die Prinzipien „Vorbild und Nachahmung“, „Rhythmuspflege“ und „Sinnesschulung“. Praktische und künstlerische Tätigkeiten spielen im pädagogischen Alltag eine große Rolle, ebenso eine vollwertige Ernährung.

Inklusion: Förderung von Kindern mit einem besonderen Förderbedarf

Inklusion und Integration sind grundlegende Ziele des Kindergartens und der Kinderkrippe. Es sollen Kinder mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zusammen sein. Die Kinder mit Behinderungen werden bei allen Aktivitäten im Alltag begleitet und so ihre Selbständigkeit auch in den lebenspraktischen Bereichen gefördert.

Ein grundlegender Gedanke der zu leistenden integrativen Arbeit ist, dass bei einem Menschen mit Behinderung die eigentliche Persönlichkeit, der Wesenskern, immer unversehrt ist. Das Geistige des Menschen erkrankt nicht, wird aber durch Störungen verschiedenster Art im Leiblichen behindert, frei zur Entfaltung zu kommen.
In der Waldorfpädagogik sieht man hinter der Behinderung eine vollständige Persönlichkeit, die sich aufgrund einer körperlichen Störung unvollständig äußern muss, wie dies z.B. durch Entwicklungsverzögerungen oder Vereinseitigungen in Motorik, Sprache, Kognition, Emotion u.s.w. auftreten kann.
Zu den hausinternen Fördermöglichkeiten des Kindergartens und der Kinderkrippe gehören Heileurythmie (Bewegungstherapie), Sprachpflege, Musik- und Kunsttherapie, rhythmische Einreibungen, Wickel und Auflagen, Heilpädagogik, sinnesbezogene Therapieformen und tiergestützte Therapien.

Der Waldorfkindergarten: ganztägig, integrativ, tiergestützt

ÜbersichtsbildDer zunächst ein-gruppige Kindergarten, der im Herbst mit seiner Arbeit beginnen soll, wird etwa 20 Kindern vom dritten Lebensjahr bis zur Schulreife aufnehmen können. Dabei sind zwischen drei bis fünf integrative Plätze eingeschlossen.

Die Kinder sollen durch Nachahmung am Vorbild der Erziehenden lernen, ohne belehrt zu werden. Die Förderung geschieht mittels künstlerischer Tätigkeiten (Singen, Malen, Zeichnen, Kneten, Basteln, Eurythmie u.s.w.), durch fantasievolles Spiel mittels Naturmaterialien sowohl im Raum als auch im Außengelände, auf Wiesen, Feldern und im Wald, durch Sorgfalt im Umgang mit Worten und Gesten, durch Umgang mit Tieren und durch handwerkliche Fertigkeiten (Kochen, Brotbacken, Nähen, Schneidern, Werken u.s.w.).

Täglich kehren wieder: betreutes Freispiel, Reigen- und Rollenspiele, gemeinsames vollwertiges Essen, Spielen im Außengelände, Märchen- und Puppenspiele, der Umgang mit Tieren sowie Raumpflege und Hygieneerziehung. Wöchentlich sind ein „Wandertag“, eine Eurythmiestunde und ein Malprojekt mit Aquarellfarben geplant. Der Tages- und Wochenablauf des Kindergartens ist so strukturiert, dass er durch seine rhythmischen Wiederholungen den Kindern die Orientierung erleichtert und ihnen im Alltag Sicherheit und Geborgenheit bietet. Dazu gehört auch das intensive Erleben der Jahreszeiten und der Jahresfeste.

Im Kindergarten des Parzival-Bildungszentrums werden die traditionellen Grundzügen der Waldorfpädagogik um Aspekte einer tiergestützten Pädagogik erweitert und Tiere als Entwicklungshelfer eingesetzt werden. Im Umgang mit Tieren werden Verantwortungsbewusstsein und Wahrnehmungsfähigkeiten geweckt, die sich in der späteren Lebensführung und der Sozialfähigkeit des Kindes positiv auswirken können. Tiere spiegeln das eigene Verhalten und helfen über Krisenzeiten hinweg. Sie bieten Trost und Ansprache und heilen manche seelische Wunde. Das wird zunehmend erkannt und soll in der Kindergartenarbeit pädagogisch-therapeutisch nutzbar gemacht werden.

Die Kinderkrippe“: waldorfpädagogisch, ganztägig, integrativ

ÜbersichtsbildAuch die Kinderkrippe wird integrativ auf Grundlage der Waldorfpädagogik arbeiten. Die Kinder sollen durch Nachahmung am Vorbild der Erziehenden lernen. Feste Rituale und eine rhythmische Tagesgestaltung geben Sicherheit, Orientierung und Vertrauen. Der Umgang mit vielfältigen natürlichen Spielmaterialien und intensiven Naturerlebnissen sollen die Sinnesentwicklung der Kinder unterstützen. Im Alltag der Kinderkrippe wird auf Anregungen zur Bewegungs- und Sprachentwicklung der Kinder besonders geachtet. Raum- und Farbgestaltung sollen die erzieherischen Bemühungen unterstützen und mithelfen, eine Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen. Kindern mit Entwicklungsbeeinträchtigungen steht entsprechend ihres individuellen Förderbedarfs ein umfangreiches Förder- und Therapieangebot zur Verfügung. Die zunächst ein-gruppige Kinderkrippe soll etwa 10 Kinder umfassen und montags bis freitags in der Zeit von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet sein.

Pädagogik als Entwicklungshilfe

Der integrative Ganztageskindergarten und die integrative Kinderkrippe sollen zukünftig mit dem bereits seit mehreren Jahren existierenden Parzival-Sonderschulkindergarten und der sozialtherapeutischen Betreuungsgruppe zu einem Kinderhaus zusammengefasst werden. Das Parzival-Bildungszentrum umfasst darüber hinaus eine Freie Schule für Erziehungshilfe, eine Freie Förderschule, eine Freie Schule für seelenpflegebedürftige Kinder und Jugendliche sowie einer Freien Sonderberufsfachschule. Alle Einrichtungen arbeiten auf Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners (Waldorfpädagogik).

Das PARZIVAL-Bildungszentrum gab sich seinen Namen anhand des Parzival-Epos. Das alt-französische Wort „Perceval“ bedeutet „durchschreite das Tal“ oder „mitten hindurch“. In diesem ersten deutschen Entwicklungsroman wird das biographische Entwicklungsgeschehen eines Menschen geschildert, der seinen manchmal krisenhaften Weg zu sich selbst und seinen Lebensaufgaben findet. Das will der „Soltane“-Kindergarten, das wollen alle PARZIVAL-Einrichtungen sein: Entwicklungshelfer für die ihnen anvertrauten Kinder auf ihrem Weg zur Selbstfindung, zu selbstbewussten Persönlichkeiten, die es verstehen, die Aufgaben ihrer Zeit mutvoll und tatkräftig anzugehen.